5. Juli 2018

kriegsende




nichts half mehr, nicht das heraus gezerrte ortschild: letzte hoffnung zweier schuljungen den feind in die irre zu führen.
nicht die mit leichter hand erschossenen russen.

der mit rassenschande belegte französische zwangsarbeiter kam zurück, sah zum ersten mal seine tochter.
dieses mal mit einem sherman als kinderwagen. mein großvater spielte cego in der dorfwirtschaft, spielte zu ende
gewann die runde und den frieden. mit ihm am tisch lehrer k, ging er durchs dorf brachte er die todesmeldung.
schachspieler und einer der leise dagegen hielt. man schlug ihn tot im internierungslager, denunzitation als späte rache.

mein vater nicht mehr hase, nicht mehr den blick nach oben wer da mit weißem stern auf dem rumpf auf ihn anlegt.
die äcker waren die gleichen geblieben, die mühsal auf ihnen. 


© schneewanderer


3. Juli 2018

frau h.




nun brauchen wir beide
den pausengong nicht mehr

unwichtig

aufbegehren
strenge
lehrplan

wichtig

gast gewesen
in ihrem haus
unser lachen
vier jahrzehnte
nach dem abschlußzeugnis


© schneewanderer



27. Juni 2018

spätes glück




endlich

die krankheit
halb geschenkt
halb mühevoll
erworben

immer

dieser atem
an den ich
worte binde
ihnen nachblicke
bis sie blau werden
wolke
himmel


© schneewanderer



sonnenblume




nun bin ich es
wahrheit
zu mischen in
das wasser
an deine wurzel


die dich
umschwirren
ermuntern

einer wird
den anfang wagen
seinen schnabel
schicken
auf die reise
in dein herz


© schneewanderer



rast




die stille nehmen
sei es auch nur ein
teil davon
sie in die eigenen
hände legen
dieses eine mal nur glauben

es hat ein ende
irgendetwas beginnt


© schneewanderer



vorschau




bald
gelebtes leben
ein paar mal
geschenktes

noch kann ich
fragen stellen

die antworten

das taufbecken
an silvester
eiskalt

die toten
besetzen meine
träume wieder
weichen nicht
von meinem land


© schneewanderer



riga




nein ich war nie dort
werde es aber immer behaupten
das konzert in der kirche
das knoblauchbier vorher
woher dieser mut?

du hast mich mitgenommen
mit deinen augen sehen lassen
auch dies eine art von reisen
der liebe


© schneewanderer