13. Februar 2019

verweildauer

 


irgendein zuständiger war um die trauer wissend, obwohl sie nie gelehrt wurde.

in ein paar monaten wäre die frist vorbei, der stein nur noch geschichte.
zum glück für uns menschen, zu unserem nachteil bliebe da noch das erinnern.
der erhobene arm mit dem kochlöffel als pädagogische verlängerung, ihr einschlafen im sessel nach fünf kindern und einem leben mit verantwortung als naturgesetz.

manchmal ist er da der drang goldene paläste zu denken für sie, jene ohne ausgang. aber das erinnern ist näher, die trauer immer noch.

auch ohne ihren grabstein, der verweilen wird auf absehbare zeit.
weil ihr mann sich ermutigt hat zu leben nach ihr, fast zwanzig jahre.
manchmal legt er seine hand auf den stein, ich bilde mir ein lächeln auf seinem gesicht ein:
bald sagt er dann.

meinen eltern


© schneewanderer



3. Februar 2019

besondere merkmale




narbe auf dem linken handrücken
stetig nachlassendes gottvertrauen
der drang nach worten

irgendwer
irgendwann
irgendwie

drückt mir
seinen stempel auf

aber bis dahin
wähle ich
die farbe


© schneewanderer



26. Dezember 2018

geschenk




ein strauß krähen
gebunden
am morgen
durch ihn

mein danke
über dem raureif
verschmähen sie


© schneewanderer



15. Dezember 2018

worthalter




immer nur fast
zärtlich
vertraut
diese umarmung

keiner will
den anderen
los lassen

jeder geht wieder
in die gleiche richtung


© schneewanderer



5. Dezember 2018

rabentag




regen
wind
um
wieviel
schwerer
euer flug
durch sie?

egal
morgen
hole ich
die schwarzen flügel
aus dem schrank

folge euch
verliere euch
immer noch
nach so vielen
versuchen


© schneewanderer



15. November 2018

phillipsburg




hinter dem
letzen dach
in sicherheit
oder nicht

unter dem
letzen dach
nie sicher

leuchtende gräber

sie wärmen
sie warnen

der rhein
schläft unruhiger
seit dem menschen


© schneewanderer



20. Oktober 2018

danach




staub
nur
staub
der bleibt
hartnäckiger
als jede
erinnerung
jedes wort
jedes bild
aber da war
ein tanz
eine widmung
eine stimme
wir menschen
die all dem
widersprachen

vernissage rathaus schutterwald 05.10.18


© schneewanderer