11. Januar 2012

Marianne




Ertrinken

und
ähnliche Formen
des Luftholens

Noch nicht ganz
taub geworden
für manche Geräusche:

Dein Haar
mit der
grauen Strähne
wenn du
in der Sonne sitzt,
Kaskaden schwarzen Wassers
daß tief
in meine Sehnsucht fällt

Lange schon
mich nicht mehr
probiert
am Ertrinken
im Glück
so kaum mehr
mächtig
der wunderbaren Arten
Luft zu holen
kurz davor


© schneewanderer



Rosanna




Kein Lied

und kein Rhythmus
werden diesen Gegensätzen
wirklich nahekommen

Erst das Grinsen
mit dem sie ihre
Zähne entblößt
von einem Ohr
zum anderen

Kurz darauf
diese Starre im Blick
nach Beta-Blockern verlangend
und ein Alter
in Wänden aus Gummi
verheißend

Egal
Versprechen muß
sie mir
alles zu leben
Bis dahin


© schneewanderer



Fremdes Meer




Where's the ocean?


Back in town
mit Gesprächsstoff
für fünf Kaffeepausen
und drei mittägliche
Nahrungsaufnahmen

Noch schmeckt
jeder Zungenschlag
etwas nach Salz
Die unreine Haut
gedieh unter
der nahen Sonne

Eigentlich
wollte sie nie weg
Jetzt aber
wird sie
in ihrer Zeit
einmal
nicht mehr
zurückkehren

Meine Zeit, mein Meer
die Sehnsucht endet
an ihren Stränden


© schneewanderer



Frau Tanko




Wenn Namen

Programme
sein können
ist Frau Tanko
Urmutter
dieser Möglichkeit

Kleine
zarte
alte Frau
wie ihr Fuß
fast exakt
im rechten Winkel
anliegt,
den Schwung
auszugleichen
beim Wurf
der Kisten
auf das Band

halbtags
seit neun Jahren
schenkt sie
der klimatisierten Halle
die Aura
eines Ballsaals

Bis,
bis sie
in den Himmel
tanzen wird
auf einem Bein


© schneewanderer



10. Januar 2012

Frau mit Kerze, Irish Pub




Eine Freude

Dir zuzusehen
wie Du
mit der Kerze
umgegangen bist

Eine Freude
Dir in die Augen
zu schauen
auch wenn Du
kurz darauf
gingst

Eine Freude
zu bemerken
daß ich
brenne


© schneewanderer



Zombie




Liebe ist

Wort geworden,
unmöglich mehr
auszulöschen
aus dem schlechten Gewissen
dieser Welt

Auch
dieses am
längsten anhaltende
Schweigen, dem wir
uns seit Geburt
entgegenreden
wird dies
nicht ändern können

Sei bedankt
für deine Zähne
in meinem Fleisch


© schneewanderer



42 Gedichte




Die richtige Zahl

um aufzuhören
Die falsche Menge
um darauf
auszuruhen

Keines
hat Entscheidungen
herbeigeführt,
der Beifall
hielt sich
in Grenzen

Bedingt wohl
daß ich wenigen
gestattet habe
Anteil zu nehmen

Darin bin ich besser
Verzeiht mir
also
ihr großen, blassen
Frauen
den
späten
Ruhm
der euch
zuteil
werden wird


© schneewanderer