13. April 2016

weide




weniger baum
als
gutes
gewissen

unter ihr
nimmt sich
die zeit
meiner an

dieses langsamer atmen
wieder mensch sein
im minutentakt

manchmal
wenn ich
zu weit weg bin
in meinen träumen
streift ein zweig
meine gedanken

dort warst du
gestern schon
aber es muß
schön dort sein

bleibe


© schneewanderer



hauptwort




alles
was
mich
am
sprechen
hindert

ausdauernd
andauernd

stummsein
äüßert sich
im lärm

mit jedem
buchstaben
den ich
unterlasse


© schneewanderer



12. April 2016

nebensache




weit
weg
damit

zuerst
die nachmittage
im garten
das immerwährende
staunen
nur der kleinste
teil zu sein
von allem

so viel
wichtigeres
neben mir

der löwenzahn
die feinen blätter
des holunders
sogar die
wiederkehrende
minze

ließ mich
fast dieses
gedicht
vergessen


© schneewanderer



jena - beim bäcker




vergeblich
meine suche
so früh am sonntag
nach frischgebackenem
verständlichem hochdeutsch

von der sorte
an der ich mir nicht
den mund verbrenne
bäckerohren es
als genießbar akzeptieren

einzig
dem mohnkuchen
war es egal
wer ihn
in welchem dialekt
seiner bestimmung
zuführte


© schneewanderer



10. April 2016

jena-nord-friedhof II




mild
viel zu
mild
dieser
aprilmorgen

leicht
viel zu
leicht
der weg
zu dir

deinem stein
unserem erinnern

manchmal
denke ich
nur im winter
die gräber zu
besuchen

aber auch dann
würde mir
einiges
zu leicht fallen


© schneewanderer



gefallen




oft
zu
oft
nie
das
letzte
mal

aufstehen
immer
wieder
wie beim
ersten mal


© schneewanderer



schuld




alles
ohne ausnahme
gestehe ich

schuldig
der worte

dem
gelegentlichen
dasein
fern
vom
eigenen


© schneewanderer